Language Sciences (M.A.)

Themen

Themen und Gliederung der Language Sciences in Bremen

Das Lehrangebot im MA LS wird nicht primär durch die Themen strukturiert, die von den im Studiengang Lehrenden vertreten werden, sondern durch bestimmte themen-übergreifende Kompetenzbereiche, in denen Absolvent*innen Kenntnisse nachweisen sollten, wenn sie ihre berufliche Zukunft in der akademischen Sprachforschung sehen. Es gibt regelmäßige Angebote in insgesamt sechs Kompetenzbereichen (= Wahlpflichtbereiche laut Prüfungsordnung) – und zwar:

(I) Theorie
In Theorienmodulen befassen sich die Studierenden mit Theorien und Modellen, die zur Erklärung von sprachbezogenen Phänomenen vorgeschlagen werden. Im Vergleich von verschiedenen Theorien und Modellen schärfen die Studierenden ihre Beurteilungskompetenz.
(II) Empirie
In Empiriemodulen arbeiten die Studierenden mit konkretem Sprachmaterial, das nach bestimmten Kriterien analysiert und kategorisiert werden muss.
(III) Lektüre
In Lektüremodulen werden für die Sprachforschung wichtige Texte gelesen, ihre Inhalte nachvollzogen und vor dem Hintergrund des heutigen Wissenstands der Sprachforschung evaluiert.
(IV) Methode
In Methodenmodulen wenden die Studierenden quantitative und/oder qualitative Methoden an, um Datenmaterial zu sammeln, zu ordnen und auszuwerten. Im Vergleich von verschiedenen Methoden schärfen die Studierenden ihre Beurteilungskompetenz.
(V) Sprachkompetenz
In Sprachkompetenzmodulen setzen die Studierenden ihre linguistischen Fachkenntnisse ein, um die strukturellen Gegebenheiten in einer bestimmten, den Studierenden noch weitgehend unbekannten, Beispielsprache möglichst adäquat zu beschreiben.
(VI) Feldstudien
In Feldstudienmodulen erheben die Studierenden Daten in der direkten Interaktion mit Sprecher*innen von Objektsprachen; die Studierenden bereiten die Erhebung vor, führen sie durch und werten sie aus. In diesen Modulen werden auch ethische Aspekte der Feldforschung vermittelt.

In jedem Semester wird mindestens ein Modul in jedem dieser Kompetenzbereiche angeboten. Die Studierenden müssen in jedem der sechs Kompetenzbereiche mindestens je ein Modul erfolgreich absolviert haben. Ihre übrigen Wahlpflichtmodule können die Studierenden bezogen auf die Kompetenzbereiche frei zusammenstellen.

Die gewollte Forschungsnähe des Lehrangebots bringt es mit sich, dass es eine gewisse Fluktuation bei den Themen gibt, die konkret für Lehrveranstaltungen herangezogen werden. In der laufenden Forschungsdebatte gibt es keine kanonische Festschreibung von Themen, sondern in Abhängigkeit vom Fortgang der Diskussion eine mehr oder minder rasche Folge von einander ablösenden Fragestellungen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, ein forschungsorientiertes MA-Programm wie das des MA LS flexibel zu gestalten, damit die Studierenden immer mit dem jeweils aktuellen Diskussionsstand konfrontiert werden. Daher gibt es in der Regel keine Seminare, deren Themen über mehrere Semester in Folge wiederkehren.

Dessen ungeachtet gibt es bestimmte große Themenfelder, in denen die am MA LS in der Lehre fest beteiligten Dozent*innen jeweils besonders stark engagiert sind. Die acht festen Größen des Studiengangs (sieben Professor*innen und eine Lektorin) stehen für folgende Themenfelder (alphabetisch geordnet nach dem Anfangsbuchstaben der Nachnamen):

Multimodale Linguistik (John A. Bateman)
Multimodale Linguistik befasst sich mit der systematischen Erweiterung von linguistischen Methodologien auf diversen kommunikativen Formen, wie Film, Comics, Layout, Webseiten, Blogs, Nachrichtensendungen, Erklärvideos, Gebrauchsanweisungen und Fernsehen/Video im Allgemeinen. Besonders angestrebt wird eine theoretische sowie praktische Diskursanalyse, die Sprache, Bild, Ton, räumliches Layout, Typographie usw. miteinander kombiniert und gegenseitig berücksichtigt.
Korpuslinguistik und Fremdspracherwerbsforschung (Marcus Callies)
Wir widmen wir uns hauptsächlich der Erforschung sprachlicher Variation und Innovation in nativen und nicht-nativen Varietäten z.B. des Englischen mit Hilfe großer digitaler Textkorpora und den Methoden der Korpuslinguistik. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fremdsprachenerwerbsforschung, insbesondere diskurs-funktionale Aspekte und lexiko-grammatische Variation in fortgeschrittenen Lernervarietäten. Außerdem führen wir Forschungsprojekte zum Erwerb wissenschaftlichen Schreibens z.B. in der Fremdsprache Englisch durch.
Angewandte Linguistik (Hans Krings)
Sprachlehr- und –lernforschung (Nicole Marx)
Kontakt- und Varietätenlinguistik (Carolin Patzelt)
In den Seminaren erforscht werden die Ursachen und Auswirkungen von Variation und Wandel z.B. in den romanischen Sprachen der Gegenwart, unter besonderer Berücksichtigung sozio-, kontakt- und migrationslinguistischer Aspekte. Dabei wird dem Umgang mit authentischen Sprachdaten besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Postcolonial Language Studies (Eeva Sippola)
Postcolonial Language Studies untersuchen, wie die historischen Zusammenhänge von Macht, Herrschaft und Praktiken von Imperialismus sowie Kolonialismus durch die Untersuchung von Sprache sichtbar gemacht werden können. Sie hinterfragen dominante Traditionen linguistischen Wissens und linguistischer Methoden sowie deren Anwendung auf postkoloniale Kontexte in der Welt. Relevante Forschungsbereiche sind z.B. Sprachkontakt, Kreolisierung und Sprachideologien in postkolonialen Zusammenhängen.
Soziolinguistik (Christel Stolz)
Die gesellschaftlichen Aspekte, die für den Sprachgebrauch determinierend sind, sowie die sprachlichen Marker, die als Indikatoren sozialer Kategorien fungieren, werden in ihrem Wechselspiel systematisch beleuchtet.
Allgemein-vergleichende Sprachwissenschaft (Thomas Stolz)
Unter Anwendung der Prinzipien der funktionalen Typologie soll die strukturelle Bandbreite menschlicher Sprachen ausgelotet, systematisiert und einer Erklärung nahegebracht werden.
Interdisziplinäre Linguistik (Ingo H. Warnke)
Prof. Dr. Ingo H. Warnke lehrt Germanistische und Interdisziplinäre Linguistik. Seine Hauptarbeitsgebiete liegen im Feld der Diskurslinguistik und -theorie, dabei fokussiert er Sprache in kolonialen Kontexten unter besonderer Berücksichtigung neuerer Ansätze der Postcolonial Language Studies sowie Sprache im urbanen Raum, wobei hier vor allem Praktiken des diskursiven Place-Makings erforscht werden.

Diese Liste stellt keine Festschreibung dar. Weder sind die namentlich genannten Personen auf das jeweilige Themenfeld festgelegt noch besitzen sie das Monopol auf ein genanntes Themenfeld. Ohne eine gewisse Überlappung wäre eine interdisziplinäre Zusammenarbeit schwerlich realisierbar. Darüber hinaus kommen auch (wechselnd) andere Themenfelder bei der Gestaltung des Lehrprogramms zum Tragen – jedoch dies in weniger systematischer Form.

Pidgin- und Kreolsprachen sind häufig Gegenstand von forschungsbasierten Seminare. Ähnliches gilt für Kunst- und Plansprachen. Die indigenen Sprachen Ozeaniens und Amerikas stehen ebenfalls häufiger im Zentrum des Interesses von Lehrveranstaltungen.